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Montagsgebabbel #5 – Das Bahnhofsviertel

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Was wurde da plötzlich losgetreten, dass scheinbar jedermann, wie aus heiterem Himmel, etwas zu den Zuständen im Bahnhofsviertel zu sagen hat? Da wird so getan, als wären Junkies, Dealer und Urinlachen, ein Problem, das erst letzte Woche aufgetaucht ist.

Wenn Populismus auftrumpft

Es war einmal ein Volker Stein, FDP-Mitglied und Ex-Ordnungsdezernent der Stadt Frankfurt, der es im Ruhestand scheinbar nicht ausgehalten hat und nun wieder mitspielen möchte, im Sandkasten der Lokalpolitik. Erst im September hat Stein bekanntgegeben, dass er 2018 für das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters kandidieren möchte. Aber nicht als Kandidat seiner Partei, deren Rückendeckung hätte er aller Wahrscheinlichkeit nach ohnehin nicht, sondern als Freier. Tja, und auch wenn bis dahin noch viel Wasser de Maa runner fließt, kann es ja nicht schaden, schon mal Kante zu zeigen und ein paar markige Sprüche abzusondern, etwas für das Stein auch während seiner gesamten Politikkarriere bekannt war.

Er prangerte die Zustände im Bahnhofsviertel an. Das passt ja auch super zu seinem Wahlprogramm in spe, denn er will wieder für Recht und Ordnung sorgen. Volker Stein ist nämlich nicht nur Oberst der Reserve, sondern auch selbsternannter Sheriff der Mainmetropole. Es ist doch so: Jeder Frankfurter weiß um die Zustände im Bahnhofsviertel aber man müsste doch blind sein, nicht zu erkennen, um wie viel besser es geworden ist. Und das haben wir nicht blindem Aktionismus zu verdanken, sondern einer gut durchdachten und liberalen Drogenpolitik. Das Schlimme ist, dass da plötzlich jeder drauf springt. Nicht nur die FDP-Fraktion im Römer, auch sämtliche Blätter im Umkreis, egal ob Frankfurter Neue Presse, die FAZ oder die Rundschau. Letztere hat zumindest noch einen einigermaßen differenzierten Artikel gebracht.

Der Frankfurter Weg

Der „Frankfurter Weg in der Drogenpolitik“ ist nicht nur ein feststehender Begriff, sondern Vorbild im In- und Ausland. Es geht dabei in erster Linie um repressive Maßnahmen gegen den Handel und nicht gegen die Konsumenten. Es geht um Hilfe, nicht um Strafe. Um Verständnis, nicht um Verurteilung. Ja, derzeit gibt es wieder vermehrt Dealer, speziell in der B-Ebene des Hauptbahnhofs und ja, die gehen einem mit ihrer aufdringlichen Art auf den Sack, aber wenn Politiker wie Stein von Recht und Ordnung faseln, dann geht es doch in erster Linie darum, das öffentliche Bild zurechtzurücken und das trifft die Menschen, die ohnehin schon ganz unten sind: Die Obdachlosen und die Junkies, die vor den Drückerstuben hocken oder sich mit ihren wenigen Habseligkeiten in irgendeine Ecke verdrückt haben.

Auch wenn es manchen Menschen nicht gefällt, leben wir nun mal in einer Großstadt. Arm, Reich, perfekt sozialisiert oder asoziales Element: Miteinander muss die Devise sein, nicht mit sinnloser Härte die Fronten weiter verhärten. Das muss natürlich auch bedeuten, das die Kriminellen, die in einer Woche drei mal verhaftet werden, die Justiz nicht dadurch verhöhnen, dass sie immer wieder auf freiem Fuß landen aber ehrlicherweise glaube ich nicht, das diese Dealer das Problem in der gegenwärtigen Debatte sind.

Foto: Anthony Easton / Flickr under CC-BY 2.0

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