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Montagsgebabbel #1 – Daniel und Meckpomm

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Heute starten wir mit dem neuen Format “Montagsgebabbel”. Ab sofort gibt es jeden Montag, passend zum Start in die Woche, ein Kommentar zu einem oder mehreren Themen, die mich interessieren und geradezu danach schreien, irgendwie kommentiert zu werden. Wir starten mit Daniel Cohn-Bendit und der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.

Der rote Daniel polarisiert

Irgendwie ist es wie in den 1960er, 70er und 80er-Jahren, in denen Daniel Cohn-Bendit, in Sachen Provokation, niemand etwas vormachen konnte. Auch wenn der Wahlfrankfurter inzwischen deutlich kürzer tritt und ich ihn persönlich sehr schätze, vor allem wegen seiner Unangepasstheit, umfassender Bildung und pointierten Kommentaren, scheint er noch immer bei einigen Politkollegen eine geradezu “anziehende” Wirkung zu haben.

Aktuell geht es um die Feierstunde zur deutschen Einheit in der Frankfurter Paulskirche, bei der Cohn-Bendit als Sprecher eingeladen ist. Die CDU, allen voran den Fraktionsvorsitzenden Michael zu Löwenstein, scheint das derart auf die Palme gebracht zu haben, dass er ganz spontan das Niveau in den Keller fallen ließ und den Grünen-Politiker eine “pädophile Vergangenheit” bescheinigte. Löwenstein spielt dabei auf das 1975 veröffentlichte Buch “Der große Basar” an, in dem Cohn-Bendit auch Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern thematisiert hatte.

Um es kurz zu machen, ist das meiner Meinung nach an Lächerlichkeit kaum mehr zu überbieten. Zum einen impliziert eine “pädophile Vergangenheit”, dass ein wie auch immer gearteter Missbrauch stattgefunden hat, was zum einen nicht nur falsch ist, sondern auch eine durchaus gewollte Provokation von Seiten der CDU ist. Zum anderen ist diese, nennen wir es mal “Phase der Grünen”, schon so lange abgearbeitet, dass gleich mehrere Meter Gras darüber gewachsen ist. Das Thema ist hier unmöglich erschöpfend zu behandeln aber wer da wirklich einsteigen möchte, dem sei als Ausgangspunkt der Wikipedia-Eintrag von Daniel Cohn-Bendit ans Herz gelegt, von dort aus gibt es einige exzellente Verlinkungen zu dem Thema.

Bleibt die Frage, warum Löwenstein und die Frankfurter CDU ein derart an den Haaren herbeigezogenes Fass aufmachen? Mangelnde Aufmerksamkeit? Langeweile? Oder Angst davor, was Cohn-Bendit zu sagen hat? Gibt es nicht drängendere Probleme, als eine totgerittene Sau, die schon vor Jahren durch alle Dörfer geschleift wurde? Mir ist das vollkommen unverständlich und wahrlich kein Ruhmesblatt für die CDU-Fraktion.

Die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern

Und von wegen drängendere Probleme: Gestern wurde in dem wunderschönen Mecklenburg-Vorpommern gewählt und wen wundert es, dass auch diese Wahl zu einem Desaster wurde? Richtig! Niemanden! Für alle Parteien im demokratischen Spektrum, war das Ergebnis, um es in aller Deutlichkeit zu sagen, ein Arschtritt mit Ansage. Aber ich möchte gar nicht das Ergebnis kommentieren, wir alle wissen, dass das Abschneiden der AFD eine Schande ist, sondern viel eher die Reaktionen der beiden Volksparteien SPD und CDU.

Die CDU, allen voran Landesparteichef Lorenz Caffier, wird nicht müde zu erwähnen, dass das schlechte Ergebnis ja vor allem der Bundespolitik geschuldet ist, welche alles andere überschattet hat. Und die SPD feiert sich dafür, stärkste Kraft zu sein. Dabei scheint es den Genossen egal zu sein, dass sie einerseits mehr Prozentpunkte verloren haben als die CDU und andererseits ihren Sieg einzig und allein ihrem Spitzenkandidaten zu verdanken haben und nicht etwa dem Kurs der Partei, der unter Sigmar Gabriel eher einem Fähnchen im Wind gleicht.

Aber eines ist sowohl der CDU, als auch der SPD gemein. Leere Phrasen, die schon lange niemanden mehr erreichen und mit ein Grund dafür sind, dass die Populisten der AFD überhaupt erst so stark werden konnten. “Man muss jetzt intensive Gespräche führen”, “Die Lage muss nun analysiert werden”, “Die Flüchtlingspolitik … bla bla”. Bei aller Liebe: Das gleiche, dummdreiste Geschwafel konnte man schon nach den Wahlen Anfang des Jahres hören, als die AFD mit Pauken und Trompeten in zwei weitere Landtage eingezogen ist. Und was ist seitdem passiert? Nichts!

Ich bin kein Freund von Sprüchen wie “Früher war dies und jenes besser”. Früher waren die Dinge nicht besser, nur anders. Aber eines fällt doch auf: Bis zu den Nuller-Jahren, als zunehmend die Tellerdreher und Dummbabbler das Zepter in der Politik übernommen haben, konnte man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass die federführenden Politiker dieses Landes noch einigermaßen gerade heraus agiert haben und, egal ob sie falsch oder richtig lagen, egal ob man die Thesen mochte oder nicht, das Gesagte noch einen Wert, noch Bestand hatte. Und heute? Ich würde einem Sigmar Gabriel oder einem Peter Tauber nicht mal einen Gebrauchtwagen für 50 Euro abkaufen, ohne die Karre vorher auf Herz und Nieren zu überprüfen.

Bitte, wo sind die Willy Brandts, Helmut Schmidts und Ludwig Erhards dieses Landes hin? Ihr anderen Pfeifen könnt den Karren nur in den Dreck fahren …

Foto: Anthony Easton / Flickr under CC-BY 2.0

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