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Frankfurt und der Brexit

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Sie haben es also getan, die Briten. Von den einen bisweilen als weltfremde Insulaner geschmäht, von den anderen als liebenswerte Snobs veräppelt, haben sie doch das Undenkbare gewagt: Das Vereinigte Königreich verlässt die EU. Die Folgen für Europa und Großbritannien selbst dürften schwerwiegend sein, aber uns interessiert natürlich vor allem eines — was bedeutet der Brexit für Frankfurt? 

10.000 neue Banker — oder 70.000?

Ein schwerwiegendes Problem für die Briten dürfte sein, dass ihr Finanzplatz London nicht mehr in der EU liegen wird, denn dadurch verlieren die Banken ihren “Finanzpass”, der es ihnen erlaubt, in der ganzen Union Geschäfte zu machen. Die Finanzindustrie im Vereinigten Königreich beschäftigt rund 2,2 Millionen Menschen, gut 700.000 davon alleine in London. Zum Vergleich: In Frankfurt arbeiten etwa 65.000 Menschen im Finanzwesen. Der Finanzsektor ist für rund 12 Prozent des britischen Bruttoinlandsproduktes und für einen nahezu ebenso großen Anteil des Steueraufkommens verantwortlich; mehr als in jedem anderen Wirtschaftssektor. Kein Wunder, dass Großbritanniens Banker gerade das große Zittern bekommen.

Branchenexperten rechnen damit, dass zumindest ein Teil der Finanzindustrie von London auf den Kontinent wandert. Da ist Frankfurt natürlich ein ganz heißer Kandidat für Zuwachs, schließlich ist hier der Sitz der europäischen Bankenaufsicht und der EZB. Wie viele Banker aber kommen könnten, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Während die Frankfurter Finanzlobby mit etwa 10.000 Neuzugängen rechnet, befürchtet der Mieterschutzbund rund 15.000 und der Deutschlandfunk nennt sogar die Zahl von 70.000, allerdings ohne Angabe seiner Quelle.

Eines jedoch steht fest: Je mehr Banker es an den Main zieht, desto mehr dürften die Wohnungsmieten steigen; nicht nur in Frankfurt, sondern auch im Umland. Die Lage auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt macht das nicht einfacher. Die Eigentümer von Bürogebäuden werden sich hingegen freuen, denn das Überangebot an Büros aus den Nuller Jahren ist immer noch nicht abgebaut. Da kommen ein paar neue Büromieter gerade recht. Ärger könnte der Brexit auch der geplanten Fusion von Frankfurter und Londoner Börse bereiten. Zwar wollen die beiden Konzerne an ihren Plänen für einen Zusammenschluss festhalten, die rechtliche Lage bleibt aber kompliziert.

Wer die ganze Unsicherheit jetzt nicht mehr aushält, kann es ja so machen wie die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes: Die haben sich nach diesem nervenaufreibenden Tag in einen Pub verzogen, um ihre Sorgen mit Bier wegzuspülen. Erwähnenswert ist dabei, dass es sich um einen Irish Pub handelt. Irgendwie muss man seinen Unmut über die Briten ja loswerden. Und dabei will man gewiss nicht ausgerechnet englisches Bier trinken …

  1. Na da können wir gespannt sein, wo sich das alles noch hin entwickelt. Viele der Engländer waren sich, mal wieder, nicht über die Konsequenzen im Klaren und haben sich null informiert. Und die meisten Stimmen kamen dann auch noch vom Land. Das sagt leider schon wieder total viel aus. Schade… dass sich keiner mehr informiert, denn wenn die Engländer die Folgen gewusst hätten, hätten sie so bestimmt nicht gewählt. Aber lassen wir uns überraschen…

    LG Marco

  2. So wie es aussieht, stabilisiert sich die Lage mit dem Pfund auch weiterhin nicht. Ich fand und finde es immer noch erschreckend, wie Marco sagte, dass sich kaum jemand informiert hat und einfach aus dem Bauch heraus gewählt wird. Da fragt man sich wirklich, ob Wählen etwas bringt, wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl der Leute bei gewiss allen Themen nicht genug wissen.

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