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Etappensieg für den Hip Hop

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Siebzehn Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Genau so lange schwärt mittlerweile der Rechtsstreit zwischen dem Frankfurter Hip-Hop-Urgestein Moses Pelham (Bild) und Kraftwerk-Frontmann Ralf Hütter um die Urheberrechte zu einem Zwei-Sekunden-Musik-Schnipsel. Heute hat das Verfassungsgericht ein Machtwort gesprochen. Vorbei ist die Geschichte damit aber keineswegs.

Ein prinzipielles Problem

Damit ein solcher Fall beim Bundesverfassungsgericht landet, muss er nicht nur die Verletzung eines Grundrechts berühren, sondern auch ein prinzipielles Problem aufwerfen. Das ist in Urheberrechtsfällen eher selten der Fall; Musikrechtsexperten sahen es daher schon als kleine Sensation, dass sich Deutschlands höchstes Gericht überhaupt mit der Materie befassen wollte. Welche Klagen die obersten Verfassungshüter annehmen, entscheiden sie nämlich weitgehend selbst.

Im konkreten Fall musste das Recht auf Eigentum (Kraftwerk) gegen das Recht auf die Freiheit der Kunst (Moses Pelham) abgewogen werden. Der Bundesgerichtshof hatte zuvor entschieden, dass der Frankfurter Rapper und Musikproduzent nicht einfach ein zwei Sekunden langes Sample aus einem alten Kraftwerk-Song als Endlos-Schleife in einer Neukomposition für Sabrina Setlur hätte verwenden dürfen. Stattdessen hätte Pelham den Urheber, also Kraftwerk, um Erlaubnis fragen müssen — oder den Songschnipsel eben per Hand nachbauen, statt ihn einfach zu kopieren.

Fürs Sampling fehlen bisher klare Regeln

Die Verfassungsrichter sahen das nun ganz anders. Ein generelles Sampling-Verbot würde ihrer Meinung nach die Schaffung von Musikstücken im Hip-Hop-Genre “praktisch ausschließen”. Schließlich gehört das verwenden digitaler Schnipsel in diesem Segment zum Standard-Handwerkszeug jedes Musikers. Das heißt jetzt aber nicht, dass nun lustig draufloskopiert werden kann. Das Verfassungsgericht rief stattdessen den Gesetzgeber auf, sich klare Regeln zur rechtlichen Behandlung des Samplings zu überlegen.

Dem Bundesgerichtshof empfahlen die Verfassungsrichter, den Fall außerdem dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg vorzulegen. Schließlich ist das Urheberrecht seit 2002 EU-weit geregelt, eine europäische Lösung zum Sampling aber fehlt bisher. Wenn man weiß, wie langsam die Mühlen der EU mahlen, kann man sich denken, dass die Hängepartie weitergeht. Die deutschen Hip-Hop-Künstler wären vermutlich schon froh, wenn es nicht nochmal siebzehn Jahre dauert. Moses Pelham gab sich über den Etappensieg dennoch erleichtert: “Ich glaube, dass es für die Fortentwicklung der Kunst ein sehr, sehr wichtiges Urteil ist”, sagte die Frankfurter Hip-Hop-Legende gegenüber der FAZ.

Foto: Katja Kuhl
  1. Wir haben einige HipHop-Künstler, die bei uns CDs herstellen lassen. Wenn es wegen der Samples mehr Klarheit gibt, sorgt das auch für mehr Sicherheit. Mal sehen, wie lange das noch geht. ;-)

    Gruß
    Sven von mayodi.de

Trackbacks/Pingbacks

  1. Pelham gegen Hütter - Was passiert mit dem Sampling? - […] Da aber so etwas immer wieder passieren kann, muss dringend das Sampling besser geregelt werden. Dafür fehlen klare Spielregeln. …

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