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Die große Leere

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Zeilgalerie_Eingang

Seit ein paar Tagen ist der letzte Mieter aus der Zeilgalerie ausgezogen. Schon eine Weile sind die Türen verrammelt und mittlerweile steht auch schon der Bauzaun. Der Abriss der 1992 errichteten Ladenpassage steht kurz bevor. Vermissen wird sie wohl niemand. Im Grunde war die Zeilgalerie von Anfang an eine, wenn auch charmante, Fehlplanung. Ein Blick zurück.

Baulöwe Schneider mischte mit

Das Konzept der Zeilgalerie war auch bei ihrer Entstehung mehr als ungewöhnlich: Eine Ladenpassage, die in die Höhe statt in die Breite gebaut wurde. Wer alle Geschäfte abklappern wollte, musste mit Aufzug oder Rolltreppe erst ganz nach oben fahren. Was einst als Flaniermeile gedacht war, hat die meisten Frankfurter irgendwann nur noch genervt. Entsprechend schlecht besucht waren die Läden, was wiederum die Mieten senkte und Anbieter von Ramschware angezogen hat, wodurch am Ende noch mehr Kunden fern blieben.

Im Grunde war die Galerie von Beginn an zu klein. Dabei hatte der berüchtigte Baulöwe Jürgen Schneider seine Finger im Spiel, der gerne mal seine Baupläne ein bisschen größer zeichnete, um mehr Geld von den Banken abzocken zu können — wohlwissend, dass die Zeiten, in denen eine Deutsche Bank noch ein Heer von spitzfindigen Filialprokuristen und kritischen Baugutachtern zur Abnahme auf eine Baustelle geschickt hatte, schon lange vorbei waren. Das war den Bankern schlicht zu zeitaufwändig geworden. Stattdessen wurden lieber Milliardensummen in den Sand gesetzt. Merke: Wer von einer Bank 10.000 Euro will, der muss sich bis aufs Hemd ausziehen. Wer 100 Millionen will, der sollte nur auf einen gut sitzenden Anzug und frisch geputzte Schuhe achten, dann wird das schon.

Mehrfach wechselte die Zeilgalerie in den Folgejahren den Besitzer. Nachdem auch eine Revitalisierung des Gebäudes in der jüngeren Vergangenheit keine Besserung brachte, entschloss sich der aktuelle Eigentümer RFR dazu, das Gebäude zu entkernen und die eigenartige Innenarchitektur der Abrissbirne anheimfallen zu lassen. Der frei werdende Platz wird dem angrenzenden Kaufhof zugeschlagen, der damit seine Fläche flugs um 10.000 Quadratmeter vergrößern kann. Schade ist es nur um die Astor Filmlounge, die auf dem Dach des Gebäudes zu Hause war. Aber es besteht Hoffnung: Der Betreiber sucht nach einer Nachfolgelösung, eventuell gleich nebenan in der MyZeil.

Wenn man eine große Lehre aus der jetzigen Leere ziehen wollte, dann diese: Kein Mensch braucht Ladenpassagen, die sieben Stockwerke in den Himmel wachsen. Punkt.

  1. Ich habe mich schon gewundert! Jetzt weiß ich warum die Zeilgalerie geschlossen ist. Wir kommen nicht aus Frankfurt daher wussten wir es nicht. Mein Frau möchte immer nach Frankfurt zum Shoppen und letztes Mal waren wir einfach sehr überrascht.

    LG Frank

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