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FAZ macht wieder Gewinn

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FAZ-Titellogo

Zwei Jahre hartes Sparprogramm scheinen Früchte getragen zu haben: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) macht wieder Gewinn. Mit 13 Millionen Euro Überschuss rechnet der Verlag für 2015. Ist jetzt also alles Friede-Freude-Eierkuchen? Wohl kaum. Die Zeitungsbranche durchlebt gerade das, was die Musikbranche vor zehn Jahren erlebt hat. Ein Zurück gibt es nicht.

Bedrucktes Papier verliert an Bedeutung

Ich habe immer gerne Zeitungen gelesen. Aber auch mein Mediennutzungsverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren verändert. Die Tageszeitung bietet mir die vertiefte Zusammenfassung von dem, was ich am Abend vorher in den Nachrichten sehen konnte. Das war Jahrzehnte so und es ist immer noch so. Aber heute kann ich viele Artikel schon am Abend online lesen, die ich sonst erst am nächsten Morgen zu Gesicht bekäme. Gut, das trifft nicht immer für alle Artikel zu.

Der Print-Journalismus befindet sich dennoch in einem langsamen, aber stetigen Niedergang. Gründe sind die Demographie und das Internet. Die Demographie wirkt dabei als zeitlicher Puffer für den digitalen Wandel: Wer gewohnt ist, alles kostenfrei im Netz zu finden, schließt erst gar kein Zeitungs-Abo ab. Wer eines hat, behält es meist bis ins hohe Alter. So sterben den klassischen Zeitungen langsam die Leser weg.

Der Werbekuchen zersplittert und schrumpft

Das wäre weniger ein Problem, wenn die Werbeeinnahmen sich einfach ins Netz verschoben hätten und die Verlage eben zu Online-Verlegern mutieren würden. Dem ist aber nicht so. Denn im Internet konkurrieren die Zeitungen mit allen möglichen weiteren Anbietern wie Web-Portalen, Blogs, den Startseiten von Providern und Seiten für besondere Interessen. Das zersplittert den Werbekuchen. Stellen- und Kleinanzeigen sind z.B. nahezu komplett auf spezialisierte Plattformen abgewandert. Gerade die haben aber bei der FAZ früher einen gewaltigen Batzen der Einnahmen ausgemacht.

Zudem kann im Internet sofort überprüft werden, wer welche Seite anguckt und wie lange. Bis zu 50 verschiedene Seiten ruft eine normale Nachrichtenplattform heute auf, um solche Daten weiterzugeben und personalisierte Werbung nachzuladen. Treffgenauere Werbung heißt aber: weniger Breiteneffekt. Und damit wird die einzelne Anzeige viel billiger — sie wird ja von weniger Menschen gesehen. Das schrumpft den Werbekuchen.

Das hatten wir doch alles schon mal …

Vorübergehend sind Kostenkürzungen bei den Zeitungsverlagen das Mittel der Wahl: Die FAZ hat 200 von 900 Mitarbeitern eingespart, 40 davon in der Redaktion. Das hilft sicherlich kurzfristig, den Kostendruck zu mindern, löst aber das Grundproblem nicht. Denn das wichtigste News-Portal heißt heute Google und macht Milliarden-Umsätze. Weil man dort alles kriegt.

Die Zeitungsverlage versuchen seit Jahren mit sinnlosen juristischen Abwehrschlachten ihren Status Quo zu halten, statt sich zusammenzuschließen und eine Art Streaming-Kanal zu entwickeln, auf dem man für eine vernünftige Flatrate den ganzen Tag qualitativ hochwertige News in Echtzeit bekommt. Auch die Musikbranche und die Filmindustrie mussten ja erst erhebliche Einbußen durch das Internet verkraften, bevor Dienste wie Spotify oder Netflix entstanden. Und die laufen gut, obwohl man sich dasselbe Material auch illegal im Netz ziehen könnte. Ich hatte immer gedacht, man kann aus den Fehlern seiner Vorgänger lernen. Was die Zeitungen angeht, habe ich mich wohl geirrt.

  1. Tobias Steinke says:

    Da fehlen mir aber eine ganze Reihe von meiner Meinung nach wichtigen Aspekten:
    – Tageszeitung vs. News-Seite: FAZ.NET ist schneller und aktueller, warum sollte man also noch die Zeitung abonnieren?
    – Vielfalt der News-Seiten: Kaum jemand hatte mehr als eine Zeitung abonniert, aber News-Seiten liest man aus vielen Quellen per Apps und Browser.
    – Werbeblocker: Online-Werbung ist in vielerlei Hinsicht anders als gedruckte Werbung und Werbeblocker sind inzwischen ein relevantes Thema.

    Außerdem: Einstiegspunkt für News-Seiten sind vor allem Facebook und Twitter, nicht Google. Woher kommt diese absurde Google-These? Die meisten wissen nicht mal von der Existenz des Dienstes Google News und klassisches Googeln, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren, dürfte wohl wirklich niemand (mit was für einer Suchanfrage? “Was gibt es Neues?”).

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