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Die Graffiti-Kontroverse

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Graffiti_Flüchtlingsjunge

Überlebensgroß haben sie ihn auf der Kaimauer verewigt: Das Bild von Aylan Kurdi, einem dreijährigen syrischen Junge, der auf der Flucht in den Westen im Mittelmeer ertrank, ging um die Welt und rührte Millionen Menschen. Jetzt prangt es unübersehbar an der Mole, schräg gegenüber der EZB. Geschaffen haben das Mega-Graffito die beiden Street-Art-Künstler Justus Becker und Oğuz Şen. Nicht allen gefällt das.

“Wir wollen provozieren”

Das Bild verfehlt seine Wirkung auf die Passanten nicht. Aber manche Menschen finden die Darstellung auch übertrieben oder gar geschmacklos, im Internet brach ein Sturm der Entrüstung über die beiden Künstler herein. Schon nach einer Woche wurde auf dem Werk herumgeschmiert. Gedacht ist es als Mahnung an das reiche Europa, die Flüchtlinge nicht hängen zu lassen. “Europa tot – Der Tod und das Geld” nennen die beiden Urheber denn auch ihr Gemälde.

Manch einer in Deutschland mag sich davon provoziert fühlen, aber das ist ja laut Becker und Şen auch beabsichtigt. Vielleicht ist die EZB aber auch einfach nicht der beste Ort für die Mahnung. Gut, die EZB steht für die Herrschaft des Geldes und eine herzlose Politik, aber in Wirklichkeit versuchen die Zentralbanker ja nur verzweifelt, das schlingernde Schiff Europa irgendwie am Laufen zu halten, während die Politiker sich lieber gegenseitig mit Schlamm bewerfen und irgendwie keine Einigung mehr erzielen. Immerhin haben die Deutschen ihren Beitrag geleistet, möchte man meinen. Das hat selbst die Hilfsorganisation Oxfam zugegeben: Nur Kanada und Norwegen hätten gemessen an ihrer Wirtschaftskraft so viel für die Flüchtlinge getan wie Deutschland.

Dennoch ist das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. All jenen, die sich von einer Million Flüchtlinge bereits überrannt fühlen und von Überfremdung faseln, hat jetzt der Comedian Bernhard Hoëcker mit einem schönen Vergleich in nur 70 Sekunden erklärt, dass das Blödsinn ist. Angst lässt sich allerdings nicht mit rationalen Argumenten entkräften. Sie wird uns erhalten bleiben, ebenso wie das Bild des kleinen Aylan Kurdi. Vielleicht sollten die beiden Street-Art-Künstler ein ähnliches Bild auch in Berlin vor dem Kanzleramt aufstellen. Oder in Straßburg vor dem Europäischen Parlament. Am Ende hilft’s womöglich doch dabei, etwas zu ändern.

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