Einträge: Beiträge | Kommentare

Schwätzchen mit Fred Noe

Keine Kommentare

image

Ende vergangenen Jahres gab sich Fred Noe, seines Zeichens Master-Distiller von Jim Beam, die Ehre und gastierte im Depot 1899, um die Kampagne „Bourbon Legends“ zu launchen. Menschen die sich für Whisky im Generellen oder Bourbon im Speziellen interessieren, sollten so einen Einblick in die Jim Beam Produktpalette erhalten. Und wer wäre dafür besser geeignet als Fred Noe?

Master-Distiller und Medienprofi

Im Depot angekommen, werden wir schon von Fred erwartet. Der Endfünfziger hat an dem heutigen Tag schon das eine oder andere Gespräch hinter sich gebracht, auf dem kleinen Tisch zwischen uns befindet sich eine etwas mehr als halb volle Flasche Jim Beam Signature Craft, ein Tumbler mit dem bernsteinfarbenen Bourbon, an dem Fred im Laufe unseres Gesprächs das eine oder andere mal nippen wird. Gedämpftes Licht, ein fester Händedruck und das obligatorische „How are you“ bilden den Ausgangspunkt unseres Gesprächs.

Und Fred ist Profi. Der Sohn von Booker Noe, der die Führung von Jim Beam inne hat, ist nicht nur federführend in der Produktion und Verfeinerung des Bourbon-Bestsellers, sondern auch routiniert im Umgang mit der Presse. Natürlich hat er schon ein Dutzend mal erklärt, was genau es mit „Bourbon Legends“ auf sich hat und warum gerade Deutschland ein so interessanter Markt für Jim Beam ist aber für mich fühlt es sich an, als wäre es Hier und Jetzt das erste mal. Aber was macht es denn wirklich interessant, sich mit jemandem wie Fred Noe zu unterhalten, der – wenn man es genau nimmt – diesen Medienzirkus eigentlich gar nicht mehr mitmachen müsste?

Bourbon und Familie

imageWir sprechen über Bourbon. Und auch wenn ich selbst schon zwei Jahrzehnte Whiskygenuss hinter mir habe, wenn auch eher irischen und schottischen, weiß ich, dass ich jemanden wie Fred Noe mit Fachsimplerei vermutlich nur langweilen würde. Was könnte ich ihm erzählen, dass er nicht schon von Menschen gehört hätte, die sich den ganzen Tag mit derlei Dingen beschäftigen? Was könnte ich in Erfahrung bringen, was nicht schon auf Wikipedia steht oder in unzähligen anderen Interviews zu lesen ist?

Wir sprechen über Familie. Und jetzt lässt Fred die Routine kurz außer Acht, lächelt mich an und erzählt mir von seinem Sohn, der genau wie er selbst, das Whisky-Business von der Pike auf gelernt hat. Irgendwo im Lager die Fässer rum schieben, sich die Hände dreckig machen und den Bourbon von all seinen Seiten kennenlernen. Und klar, er hätte auch irgendetwas anderes machen können: BWL auf einer Eliteuniversität studieren, Finanzjongleur werden oder einfach nur faul auf der Haut rumliegen aber es ist schon gut so wie es ist, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten wird, ganz wie es die Familientradition verlangt.

Jim Beam und Suntory

Ein wenig nachdenklicher wird Fred, als ich ihn auf die Übernahme durch Suntory vor zwei Jahren anspreche. Die Japaner haben gut und gerne zwölf Milliarden Euro hingelegt, um sich ein Standbein in den USA zu sichern. Geht damit die Ära des Familienunternehmen zu Ende? Werden die richtungsweisenden Entscheidungen zukünftig in Ōsaka getroffen und nicht mehr in Kentucky? Aber auch wenn Fred ein wenig grübelischer wird, versichert er mir, dass der Suntory-Deal eine Win-win-Entscheidung war: Die Japaner wollten in den US-amerikanischen Spirituosenmarkt und versicherte zudem, dass nach wie vor die Wege von Jim Beam von Kentucky aus gelenkt werden. Und dafür 13.000.000.000 $. Ja, das ist eine 13 mit neun Nullen. Wahnsinn!

Wir reden noch über die Lieblingswhiskeys von Fred und darüber, dass er noch lange nicht vor hat, in Rente zu gehen. Ganz entgegen einer Bloomberg-Meldung, die vor einigen Jahren kursierte und bei der Fred offen zugab, dass er sich darüber schon geärgert hatte. Er hatte zwar in einem Nebensatz erwähnt, dass er irgendwann einmal einen Pensionswhiskey kreieren möchte, aber was die Bloomberg-Kollegen gemacht haben? Er schüttelt nur den Kopf, lächelt und nippt an seinem Bourbon.

Fotos: Kevlic Winehouse

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg