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Grünes Licht für den Bau?

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Der_neue_Henninger_Turm_2015In den Jahren nach der Finanzkrise war die Anzahl der Baukräne in Frankfurt deutlich geschrumpft, doch jetzt soll es wieder in die Vollen gehen. Hohe Immobilienpreise locken die Investoren, in das Spiel einzusteigen; die Kreditzinsen sind niedrig und der hohe Zustrom an Flüchtlingen macht den Wohnraummangel noch akuter, als er ohnehin schon war. Jetzt will auch noch der Bund den Wohnungsbau mit Sonderabschreibungen von bis zu 4,3 Milliarden Euro fördern. Wer profitiert in Frankfurt — und wer verliert?

Frankfurter ABG ganz vorne dabei

Ein Großteil der derzeitig geplanten Neuabauten stemmt die stadteigene ABG Frankfurt Holding: Über 1.600 neue Wohnungen sollen im laufenden Jahr dazu kommen, dazu zahlreiche gewerbliche Projekte. Daneben sind auch zahlreiche private Entwickler auf dem Frankfurter Immobilienmarkt unterwegs. Nicht immer läuft bei der Stadtentwicklung aber alles so, wie es sollte. So hatte die Deutsche Bahn ihr altes Güterbahnhofsgelände an Investoren verkauft, die dort das Europaviertel errichten. Seit vergangenem Jahr nimmt zumindest der Teil um die Europallee selbst Gestalt an. Ob das Ergebnis städtebaulich besonders schön geworden ist, darüber gehen die Meinungen jedoch erheblich auseinander. Mittlerweile wird die Europallee wegen der Assoziation zu sozialistischen Parademeilen schon als “Stalinallee” geschmäht.

In Niederrad wiederum warteten manche Eigentümer jahrelang, ob sie ihre leer stehenden Bürogebäude nicht doch noch vermietet bekommen. Nachdem das nicht immer gelang, soll die Bürostadt künftig verstärkt als Wohnraum genutzt werden. Mit dem Konzept wurde zwar schon 2012 begonnen, aber erst jetzt zeigen sich erste Ergebnisse. So lange muss man eben für Plan- und Genehmigungsverfahren kalkulieren. Das Stadtplanungsamt sieht in Niederrad immerhin Potenzial für rund 3.000 Wohnungen.

Spekulation und Leerstand

Hohe Immobilienpreise befeuern zwar die Baulust, können aber auch zum Problem werden: Manche Eigentümer nehmen bei steigenden Preisen lieber Leerstand in Kauf, als ein Objekt schnell wieder zu vermieten. Das betrifft besonders oft Gewerbeflächen, bei denen die Mietverträge häufig über fünf bis zehn Jahre abgeschlossen werden. Findet sich kein Mieter zu den gewünschten Konditionen, so lässt sich die entgangene Miete eventuell über einen  Verkauf an den nächsten Interessenten wieder hereinholen, der dann einen höheren Preis zu zahlen bereit ist. Für die Stadtentwicklung sind solche spekulativen Spielchen wenig förderlich; gerade auf der Berger Straße sah man im letzten Jahr viele Gewerbeflächen leer stehen. Das ist auch der Wohnqualität des Viertels eher abträglich. Vom Hessischen Rundfunk gab es zum Thema im Dezember 2014 eine sehr gelungene Multi-Media-Reportage.

Besonders hart trifft die derzeitige Lage am Immobilienmarkt auch Musiker, Gastronomen und Künstler, die für das Nachtleben einer Stadt wie Frankfurt immens wichtig sind. Angeblich ist Frankfurt ja immer noch Party-Hauptstadt Deutschlands. Der alternativen und kreativen Szene fällt es aber zunehmend schwerer, geeignete und vor allem bezahlbare Räume zu finden. Wird Frankfurt also doch noch zur Stadt, die nur den Bankern gehört? Eher nicht. Das Loft am Main leisten sich ohnehin die wenigsten; Gutverdiener zieht es nach wie vor nach Wiesbaden oder in den Taunus, nach Frankfurt kommen sie nur zum Arbeiten und Einkaufen. Frankfurt bleibt den Frankfurtern. Und die werden immer mehr.

Foto: Bau am neuen Henninger Turm im Oktober 2015

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