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O’zapft is … in Frankfurt?

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Festzeltatmosphäre

Es ist ein Ritual: Pünktlich am ersten Tag des Münchner Oktoberfest (von den Bajuwaren auch einfach “d’Wiesn” genannt) muss der Oberbürgermeister um 12 Uhr mittags seinen Mann stehen und mit möglichst wenigen Schlägen das erste Fass Bier anstechen. Das ist ein 200-Liter-Monstrum, wegen seines Gewichts auch “Hirsch” genannt. OB Dieter Reiter schaffte es gestern mit nur zwei Schlägen. Mit diesem feierlichen Akt erst ist die “Wiesn” eröffnet und das Bier darf in allen Zelten fließen. In München gehört das seit über 200 Jahren zur Tradition. Aber in Frankfurt?

Feiern wie die Bayern

Weniger beachtet, und mir bis vor Kurzem völlig unbekannt, gibt es nämlich auch in Frankfurt ein Oktoberfest. Das eröffnete schon am Donnerstag und den Bieranstich übernahm OB Feldmann. Wieviel Schläge er dazu brauchte, ist der Redaktion nicht überliefert.

Die Frankfurter Kopie hat aber mit dem Münchner Bierfest nur “in Maßen” zu tun (man verzeihe mir das Wortspiel). Es gibt nur ein Zelt. Das Bier ist von Binding. Es ist eine reine Abendveranstaltung (bis auf den sonntäglichen Frühschoppen) und im Regelfall nur für Erwachsene gedacht. Man muss Eintritt zahlen (und das nicht zu knapp). Fahrgeschäfte gibt es hier natürlich ebenso wenig wie Geisterbahnen oder Schießbuden.

Um so mehr merkwürdige Figuren laufen dafür auf. Die Gästeliste liest sich wie das Who-is-Who der B-Promis aus dem Privatfernsehen: In einer halbseitigen Werbung in einem Anzeigenblättchen kündigen die Veranstalter unter anderem die Schauspielerin Tina Ruland, die Sportgymnastin Magdalena Breszka, die Musikproduzententochter Giulia Siegel und die Designerin und Fußballer-Frau Claudia Effenberg als Gäste an.

Insgesamt sieht das für mich so aus, als wolle man nicht in erster Linie das Oktoberfest, sondern die dort befindliche Wiesn-Schänke des vor Kurzem verstorbenen Feinkostpapstes Gerd Käfer imitieren. Auch die ist ja für B-Promi-Aufläufe, lange Wartelisten und gepfefferte Preise bekannt. Mit der originalen Wiesn hat das aber ungefähr soviel zu tun wie eine rappende Schuhplattlerin im Latex-Dirndl.

Natürlich darf es solche Feste geben und ich bin mir sicher, dass sie auch Spaß machen können. Nur frage ich mich: Muss man sie unbedingt “Oktoberfest” nennen? Zumal fast zeitgleich die Dippemess stattfindet, die viel mehr hat, was für mich zu einem Volksfest dazu gehört. Und auch wenn es auf dem Frankfurter Festplatz wetterbedingt gestern etwas ruhiger zuging: Feiern wie die Bayern, am Bier sich laben wie die Schwaben und essen wie die Hessen kann man auch dort. Aber ich bin ja auch keine Fußballerfrau, wahrscheinlich liegt’s daran …

Foto: flickr / Abhijeet Rane

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