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Gemauerte Ödnis

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Straßenschild Martin-Elsässer-Platz

Stadtplanung ist Kunst und Wissenschaft zugleich. Sie versucht zum einen, für eine Durchmischung von Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Ausgehen zu sorgen und so eine möglichst lebendige Stadt zu erreichen. Zum anderen soll sie natürlich hie und da auch den Touristen etwas bieten und sie mit den Berühmtheiten und Sehenswürdigkeiten eines Ortes vertraut machen. Beim Martin-Elsässer-Platz im Ostend, der vor zwei Wochen feierlich eingeweiht wurde, ist beides gründlich in die Hose gegangen.

Ein Denkmal für den Vater der “Gemieskirch”

Martin Elsässer ist vor allem als Architekt der Großmarkthalle bekannt, die von den Frankfurtern auch humorvoll als Kathedrale des Gemüses (frankforterisch: Gemieskirch) bezeichnet wurde und mittlerweile in einer Kathedrale des Geldes aufgegangen ist — sie bildet heute einen Teil der neuen EZB. Um Leben und Werk des berühmten Architekten zu würdigen, gibt es eine Stiftung, die sich auch federführend um die Gestaltung des Platzes bemühte. Dazu gab es einen Wettbewerb, den die Darmstädter Architekten Professor Ariel Ausländer und Fabian Luttrop gewannen. Ob das Ergebnis nun zu bewundern oder zu bedauern ist, liegt natürlich wie immer am Standpunkt des Betrachters. Ich finde es schrecklich. Aber urteilen Sie selbst:

Gemauerte Ödnis

Festzuhalten ist, dass die Grundidee eigentlich gar nicht schlecht daher kommt: Bronzeplastiken versinnbildlichen die Gebäude Frankfurts, an denen Elsässer massgeblich mitgewirkt hat. Ihre Lage zueinander entspricht den Stellen, die sie auf dem Stadtplan einnehmen. Umrahmt ist das Ganze von einem Mäuerchen aus Klinkern, die an die Verkleidung der Großmarkthalle erinnern. Und der Platz ist trotz Einweihung auch noch nicht fertig: Bäume und Sitzgelegenheiten kommen im Herbst noch dazu.

Viel Geld für eine freudlose Installation

Dennoch fragt man sich, was an dieser gemauerten Ödnis die 420.000 Euro wert war, die aus dem Stadtsäckel dafür aufgewendet wurden. Die Plastiken sind lächerlich klein und von Ferne kaum zu sehen, die gezeigten Grundrisspläne ohne jegliche Erläuterung weitgehend sinnlos. Und selbst wenn der Platz im Herbst noch begrünt wird, bleibt er eine tote Zone: Der Publikumsverkehr findet hier größtenteils auf der anderen Straßenseite statt, wo es ein paar Geschäfte gibt und sich der Eingang zur “Frankfurt School of Finance and Management” befindet. Ohne einen Zielpunkt — einen Kiosk etwa, einen Brunnen oder einem auch von Ferne erkennbaren Denkmal — dürfte sich nur selten jemand hierher verirren. Ein Mahnmal könnte nicht trostloser wirken. Schade eigentlich.

Martin-Elsässer-Platz_Detail

 

 

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