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Haut das hin?

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Anatomie du corps humain selon Da Vinci DDC_9555

Zehn Jahre ist es her, da hatte die Bundesregierung einen ehrgeizigen Plan: Deutsche Universitäten sollten auch international wieder spitze werden. Eine Exzellenzinitiative wurde ins Leben gerufen, Konzepte erstellt und Gelder verteilt. Dabei sollten die Unis auch untereinander stark konkurrieren – was sie auch taten. Gespart wurde im Gegenzug dafür häufig an der falschen Stelle. Die Uni Frankfurt lieferte dafür diese Woche ein Beispiel. 

Das Reißverschussprinzip bei der Wundheilung

Der Grund für die Exzellenzinitiative war, dass die deutschen Hochschulen in den internationalen Top-Rankings so gut wie nicht mehr vorkamen. Das hatte überwiegend historische Gründe: die meiste Spitzen-Forschung findet hierzulande an den Instituten der Max-Planck- oder der Fraunhofer-Gesellschaft statt. Diese sind zwar eng mit den Universitäten verdrahtet, aber unabhängig. Damit können sie in die Hochschul-Rankings nicht aufgenommen werden.

Um die Unis wieder stärker nach vorne zu bringen, wurden so genannte “Elite-Unis” gekürt (derzeit gibt es 11, aber keine davon in Hessen). Außerdem wurden für einzelne Forschungssegmente “Exzellenzcluster” gebildet, um die vorhandenen Kräfte zu bündeln. Die Uni Frankfurt ist unter anderem Mitglied im Exzellenzcluster “Dynamik Makromolekularer Komplexe”. Diese Woche stellten die Forscher ihre Ergebnisse über die Erkenntnisse der molekularen Prozesse bei der Bildung von Hautzellen vor. Wundheilung funktioniert demnach wie ein molekularer Reißverschluss. Diese Erkenntnis könnte künftig z.B. ganz neue Lösungen für Verletzungsopfer eröffnen.

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Aufsicht auf 17 Hautzellen, die gerade eine Hautöffnung verschließen. Die Membranen sind in Schattierungen von braun und grün dargestellt, damit einzelne Zellen sichtbar werden. Die Hautzellen entwickeln eine unglaubliche Flexibilität ihrer Membran, um den gegenüberliegenden Nachbarn zu finden. Abbildung: Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Das Notstandsprinzip in der Anatomieausbildung

In der banalen Grundlagenausbildung hapert es dagegen. So mussten Präparier-Kurse für angehende Mediziner dieses Semester gestrichen werden, weil die Klimaanlage im Hörsaal veraltet ist. Seit diesem Jahr gelten nämlich strengere Grenzwerte für den Konservierungsstoff Formalin, in dem die Leichen eingelegt sind. Der Stoff gilt als krebserregend, die entstehenden Dämpfe müssen daher abgesaugt werden. Genau das packt die Lüftung in dem 60 Jahre alten Gebäude nicht mehr. Dass dieses  Problem auftauchen würde, wusste die Uni-Leitung schon seit Jahren.

Dieses Beispiel illustriert sehr schön, worauf Studierendenvertreter schon 2012 hingewiesen haben: “Das grundlegende Problem der deutschen Hochschulen ist nicht deren Forschungsleistung, sondern ihre chronische Unterfinanzierung. Diese kann nicht durch die Exzellenzinitiative, sondern nur durch eine ausreichende Grundfinanzierung aller Hochschulen gelöst werden.” Der Bund gibt nämlich insgesamt keineswegs mehr Geld an die Hochschulen: er verteilt es nur anders. So blüht die Spitzenforschung, während in den weiten der Lehre die Wüstenei Einzug gehalten hat. Liebe Politiker: Exzellenz haben wir uns irgendwie anders vorgestellt.

Titelfoto: Flickr / thierry ehrmann

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