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Der braune Pilger vom Zoo

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Zoo Frankfurt EingangUnglaublich, was da über die Osterfeiertage im Fernsehen alles zu sehen war. Die Sender hauten an Spielfilmen offenbar das raus, was zur normalen Sendezeit wegen Dauerverblödungstalk, Betroffenheitsjournalismus und Boulevard keinen Platz im Programm findet. Neben vielen Wiederholungen gab es auch einige neue Produktionen, so flimmerte am Karfreitag “Grzimek” über die Bildschirme – ein Fernsehspiel über Frankfurts wohl berühmtesten Tierfilmer, mit entsprechender Doku im Anschluss.

Realistisch, aber wenig schmeichelhaft

Bernhard Grzimek, der aus Oberschlesien stammte und dessen Nachname vermutlich “der Pilger” bedeutet, war den älteren Frankfurtern als Direktor des Zoos wohlbekannt, den er von 1945 bis 1974 leitete. In dieser Zeit erwarb sich der promovierte Tierarzt vielerlei Verdienste um die Beseitigung der Kriegszerstörungen und den Ausbau des Zoogeländes mit Gehegen für deutlich artgerechtere Haltung. Später wurde er mit der Sendung “Ein Platz für Tiere” bundesweit bekannt und holte er mit seiner Tierdoku “Serengeti darf nicht sterben” sogar einen Oscar. All das darf natürlich auch in einer filmischen Hommage nicht fehlen. Die Frankfurter Rundschau bescheinigte “Grzimek” denn auch ein hohes Maß an Authentizität.

Eine authentische Darstellung bringt es aber zwangsläufig mit sich, dass auch die weniger netten Details aus dem Leben des sympathischen Zoo-Direktors genannt wurden, als da waren: Eine Affäre mit der Frau seines verstorbenen Sohnes, uneheliche Kinder und eine Nazi-Vergangenheit. Das meiste davon ist nicht neu, sondern wurde schon in der 2009 erschienen Grzimek-Biografie von Claudia Sewig erörtert. Und Professor Grzimek war – darauf deuten alle Erkenntnisse hin – nur ein von der Karriere geleiteter Mitläufer und Opportunist, wie es sie im Dritten Reich so zahlreich in Deutschland gab. Ein Unterstützer des braunen Terrors war er nicht.

Verräterische Zeichen

Interessant sind dennoch die subtilen Botschaften, die es schon vor der ARD-Verfilmung gegeben hat. So steht im Frankfurter Zoo eine Grzimek-Statue, vor dem Tierfilmer ein Zebra. Bekanntlich ist das Zebra wegen seiner Streifen ein Meister der Tarnung, nicht schwarz und auch nicht weiß. Ebenso musste ja auch Grzimek selbst bezüglich seiner Vergangenheit öfters die Tarnkappe aufsetzen. Und zum 100. Geburtstag des Professors gab es eine Gedenkbriefmarke, die an die alten Fernsehsendungen erinnern soll – ausgerechnet mit braunem Rahmen! Das alles kann natürlich purer Zufall sein, aber der Tiefenpsychologe C.G. Jung, der einst das kollektive Unbewusste postuliert hat, hätte an solcherlei “Enthüllungen” sicher seine helle Freude gehabt.

Wer den Grzimek-Film am Karfreitag verpasst hat, kann ihn übrigens in der ARD-Mediathek noch bis Ende der Woche abrufen.

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