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EZB_Demo

Seit kurz nach 7 Uhr morgens dröhnen die Polizeihubschrauber über der Stadt, immer wieder jaulen die Martinshörner auf. Blockupy, Linke, DGB und kleinere Aktivisten-Gruppen blasen zum Angriff auf den Kapitalismus. Und der Kapitalismus? Igelt sich ein. Wie das Leben in Frankfurt.

Festung EZB

Die Organisation, um deren Einweihungsfeier es an diesem 18. März eigentlich geht, wirkt derweil wie eine Festung: Selbst der Spielplatz im Osthafenpark am Mainufer ist mit Natodraht abgesperrt, zwei Wasserwerfer in Position gebracht. Um das EZB-Gelände patrouillieren Polizisten mit Hunden. Ab 9 Uhr landen immer mal wieder Hubschrauber auf dem Gelände; die erlauchten Gäste zum Festakt für den neuen, 1,3-Milliarden teuren Glaspalast werden wohl teilweise eingeflogen.

Das würde auch erklären, warum die EZB nur ein halbes Dutzend Journalisten der großen Agenturen und des Hessischen Rundfunks zugelassen hat – FAZ, Rundschau und FNP müssen draußen bleiben. Der Aufwand, der heute für dieses bessere Teegespräch betrieben wird, ist immens. Rund 5.000 Polizisten sind im Einsatz, für die Bundespolizei dürfte es der bisher größte ihrer Geschichte sein.

Ein Wasserwerfer pro Gast

Laut Radio FFH sind im Stadtgebiet 26 Wasserwerfer positioniert – fast alle, die es in Deutschland gibt – und das, um etwa eben so viele geladene Gäste zu schützen. Das klingt wie ein schlechter Witz. Oberbürgermeister Feldmann (SPD) soll ein Grußwort halten, der stellvertretende Ministerpräsident von Hessen, Tarek Al-Wazir (Grüne) wird erwartet. Die CDU-Granden glänzen dagegen durch Abwesenheit, die Bundesregierung hat gar niemanden zu Draghis Kaffekränzchen entsandt.

In der Innenstadt brennen ein paar Polizeiautos und Autoreifen, Vermummte sind unterwegs, aber auch bunte Trommler mit rosa Perücken und Plakaten wie “Offene Grenzen statt Festung Europa”. Auf dem Fluss bilden Polizeiboote eine Kette und die Einsatzfahrzeuge der Polizei stauen sich von der Sonnemannstraße bis zur Alten Brücke. Am Mainufer sind auffällig viele adrett gekleidete junge Herren mit Bürstenschnitt und Rucksäcken zu sehen, denen man hier sonst um diese Zeit nie begegnet und die scheinbar nichts zu tun haben. Die Zivilstreifen sollten vielleicht nochmal einen Kursus belegen, wie man weniger auffällt.

Die Frankfurter Bürger aber igeln sich ein, zu frisch ist noch die Erinnerung an die letzten Steineschmeißer. Manche Geschäfte werden heute gar nicht öffnen, nur die Imbissbuden haben Hochkonjunktur, denn auch Revolutionäre müssen mal essen.

Die Frankfurter bleiben heute im Haus

Der Römer dagegen ist so gut wie tot, bis auf ein paar japanische Touristen, die offenbar gar nicht begreifen, was eigentlich los ist. Die VGF hat vorsichtshalber alle Straßenbahn- und Buslinien durch die Innenstadt gekappt. Die Innenstadtwache der Stadtpolizei vermeldet an der Eingangstür lapidar: “Am 18. März geschlossen. Sie erreichen uns telefonisch.” Wie soll man das nennen? Feigheit vor dem Feind?

EZB-Vize Vitor Constancio dürfte das alles kalt lassen. Er erklärte am Sonntagabend in der ARD vor schönster Skyline-Kulisse, dass die EZB die Eurokrise allein gar nicht beenden könne und Geldpolitik ohnehin nur schlecht dazu geeignet sei, die Wirtschaft zu beleben. Die Verantwortlichen der gegenwärtigen Politik säßen in Brüssel. Na dann.

 

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  1. Kleiner TTIP am Rande … | Frankfurter Blog - […] Globalisierungskritiker scheinen nach den Blockupy-Ausschreitungen vom März erstmal genug von großen Aktionen zu haben. Während gestern in München rund …

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