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Sit-ins, Syriza und Sirtaki

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Blockupy-Demo Römerberg

Der Blockupy-Tag mag mit Randale begonnen haben, gegen Nachmittag wurde es dann aber doch noch das friedliche Protest-Fest, dass sich die Organisatoren gewünscht hatten. Bei schönstem Sonnenschein trafen sich Alt-68er und junge Wilde aus ganz Europa auf dem Römerberg – und ließen es betont lässig angehen. Die Polizisten durften derweil daneben stehen, Fertigfraß aus Aluschalen löffeln und wirkten stellenweise sichtlich gelangweilt, aber wohl auch erleichtert.

Rund 10.000 Demonstranten am Römer

Der Römer war gut besucht, aber nicht so voll, dass kein Durchkommen gewesen wäre. Ein Teil der Menschen hatte immer noch genug Platz, um sich während der Kundgebung hinzusetzen und ein Bad in der Sonne zu nehmen. Sit-in sozusagen, aber ganz gechillt. Die Rednerliste war ebenso bunt wie das Publikum: Hessens GEW-Chef Jochen Nagel agitierte gegen Bildungsabbau, eine Vertreterin der italienischen Metaller rief zum Kampf gegen prekäre Beschäftigung auf. Ein Syriza-Vertreter kam ebenso zu Wort wie ein Afghane, der auf die miserable Situation der Flüchtlinge in Griechenland aufmerksam machte. Dazwischen spielten zwei Weggefährten von Mikis Theodorakis traditionelle griechische Klagelieder. Und immer wieder erklang das Kampfwort der Linken: Solidarität.

Blockupy-Demo Alte Brücke

Wenn Roland Tichy in seinem Blog also von “hirnlosen” Demonstranten spricht, bei denen man gar nicht nachvollziehen könne, worum es ihnen geht, dann irrt er oder er stellt sich absichtlich dumm. Denn die Meinung der Blockupy-Aktivisten, der Gewerkschaftler, Linkspartei-Anhänger, der Friedens- und Attac-Bewegten war weithin auf den Transparenten sichtbar: “Weist die Banken in die Schranken”, “Stop ECB-Diktat” und “Diese Wirtschaft tötet”. Die Linke-Vorzeige-Politikerin Sarah Wagenknecht sprach denn auch von der EZB als “Pate der Troika-Mafia”. Aber, aber, Frau Wagenknecht, wenn man das nicht mal als nationalistischen Seitenhieb auf die Herkunft des EZB-Präsidenten missverstehen kann!

Ob sich die Probleme Europas mit einer Welle der Solidarität alleine lösen lassen, ist natürlich die ganz andere Frage, aber der Wunsch, sich gegen die Partikularinteressen der Finanzwirtschaft zu verbünden, war den Teilnehmern sehr wohl anzumerken. Immerhin ist die EZB die oberste EU-Bankenkontrollbehörde und der 18. März zudem ein für die Linke symbolträchtiger Tag (1848: Barrikadenkampf der März-Revolution in Berlin – 1871: Beginn der Pariser Kommune). Der Anlass für die Demo war also durchaus gut gewählt (oder der Termin von Seiten der EZB ziemlich dämlich ausgesucht, wahrscheinlich beides).

Unpolitische Jugend? Von wegen!

Am Ende dieses Tages fielen vor allem drei Dinge auf: Erstens können auch 5.000 hochgerüstete Polizisten ein paar Dutzend Krawallbrüder offenbar nicht davon abhalten, Mülltonnen anzuzünden. Zweitens ist die Linke nicht tot, sondern sie erfindet sich gerade neu und scheint besonders bei jungen Menschen wieder im Kommen zu sein. Von der viel gescholtenen, ach so unpolitischen Jugend war jedenfalls nichts zu spüren. Die Generation der 40- bis 60jährigen war bei den Teilnehmern jedoch klar unterrepräsentiert. “Klar”, möchte man sagen,”die haben ja alle Jobs und müssen arbeiten!”

Aber so flapsig sich das auch sagt: Es sollte einem bewusst machen, dass die Wirtschaftspolitik in der Eurozone gerade in den südlichen EU-Ländern auch zu einem enormen Ungleichgewicht zwischen den Generationen geführt hat, mit einer Jugendarbeitslosigkeit, die oft jenseits der 40 Prozent liegt. Derlei Problemen kann man auf Dauer gewiss nicht mit der Notenpresse der EZB beikommen, aber mit dem Gummiknüppel der Staatsmacht schon gleich gar nicht.

Polizeiaufgebot Alte Brücke

 

  1. Ja, da war ich auch^^ Und gut wars. Was die nur immer mit der vielen Polzei da wollten war net klar. Wir waren doch alle so friedlich;-)

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