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Vier Jungs aus Frankfurt

1 Kommentar

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Rund neun Jahre ist es her, dass die Böhsen Onkelz ihren Hut genommen haben. Für Fans und Kritiker war es dann ein Paukenschlag sondergleichen, als eine Reunion angekündigt wurde. Zwei Tage hintereinander haben die Frankfurter dann den Hockenheimring ausverkauft und es war klar: Es wäre noch mehr gegangen. Die Band hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren!

Nichts ist für die Ewigkeit

Einige Zeilen aus dem Onkelz-Song “Nichts ist für die Ewigkeit”, das Motto unter dem auch die Konzerte liefen, verdeutlicht sehr gut worum es geht und was ich gerne in diesem Artikel ausdrücken möchte: “Nichts ist für die Ewigkeit, nichts bleibt wie es war. Nur vier Jungs aus Frankfurt sind schon lange, lange da. Die Welt hat uns verlangt, sie hat nichts besseres verdient. Habt ihr noch nicht erkannt, warum es Böhse Onkelz gibt?”

Und ein großer Teil der deutschen Medienlandschaft kann die Frage, warum es die Onkelz denn gibt und warum zum Teufel sie so erfolgreich sind, noch immer nicht für sich beantworten. Stattdessen greift man auf so alte Kamellen zurück, dass sich einem, auch als nur halbwegs informierter Musikfan, die Zehennägel nach oben drehen. Peinliche Krönung des Ganzen stellte für mich das Sat1-Frühstücksfernsehen und eine Konzertreportage des Spiegel dar.

Verzerrtes Medienbild

Aus dem Zauberhut der Belanglosigkeit zauberte Sat1 die Ex-MTV-Moderatorin Anastasia Zampounidis, die verkündete, dass sie die Onkelz in erster Linie mit Drogen, Suff, Aggressionen und rassistischen Texten in Verbindung bringe und das es die Band nie geschafft habe, sich von rechtem Gedankengut zu distanzieren. Im Hintergrund laufen derweil die Bilder von Kevin Russells Autounfall. Das war selbst für Sat1-Verhältnisse ausgesprochen trashig. Zu meiner großen Freude folgte die Retourkutsche auf den Fuß, nachdem es aufgrund dieses Beitrages ordentlich Kritik hagelte. Sat1, inklusive Anastasia, entschuldigten sich öffentlich und natürlich war das ja alles gar nicht so gemeint.

Aber auch der Spiegel war nicht weniger niveaulos. So ging es in der Reportage weder um das Konzert oder die Hintergründe der Reunion. Viel lieber stürzte man sich auf die Slogans, die auf Fan-Shirts zu sehen waren oder die Tatsache, dass Menschen in die Ecke urinierten. Und natürlich durfte auch die Rechte-Keule nicht fehlen, wobei klar gestellt wurde, dass bei anderen Veranstaltungen ja durchaus auch rechte Spinner anzutreffen sein. Erwähnen muss man es trotzdem irgendwie.

Da werden journalistische Grundzüge mit jedem Satz mit den Füßen getreten. Aber warum eigentlich? Zum einen ist es natürlich schrecklich einfach Klischees zu bedienen, die in appetitgerechten Häppchen serviert werden, so das sie – ohne Nachzudenken – zu schlucken sind. Man könnte ja auch über die jahrzehntelange Bemühungen der Onkelz berichten, gegen Rechtsextremismus vorzugehen, sei es bei Konzerten, Initiativen oder unzählig anderen Gelegenheiten. Dazu müssten sich die Redaktionen aber eingestehen falsch gelegen zu haben, was die eigene Hybris aber in den allermeisten Fällen verhindert.

Und dann wäre da noch dieses Sakrileg der Onkelz, so ganz ohne die Unterstützung der Mainstream-Medien erfolgreich zu sein. Ohne Musikfernsehen, ohne Trash, ohne Schlipsträgern in den Hintern gekrochen zu sein. So etwas können bestimmte Intendanten und Chefredakteure, in deren Vorstellungswelt nichts ohne sie geht, nur schwer verkraften. Aber die Onkelz sind der Beweis das es doch geht. Und zwar nicht nur irgendwie, sondern auf eine Art und Weise die sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Musikern überhaupt gemacht hat.

Die Onkelz-Philosophie

Erschöpfend ist die Frage, warum es die Onkelz gibt und warum sie so sind wie sie sind, an dieser Stelle kaum zu klären. Unter Fans herrscht aber die Meinung, dass die Böhsen Onkelz mehr einer Philosophie denn einer einfachen Band gleich kommen. Außenseiter, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, nicht weil sie partout dort hin wollten, sondern mehr aus einer Zwangsläufigkeit heraus. Sie wollen das miese Spiel aus verlogener Politik, üblen Machenschaften von Wirtschaft und Lobbyisten nicht mitspielen. Mit ihrer Musik geben sie den Menschen eine Stimme und darüber hinaus waren es die ersten deutschsprachigen Musiker dieser Art, die keine Angst davor hatten, ihren Gefühlen auf eine wahrhafte Weise Ausdruck zu verleihen.

Das macht die Onkelz vor allen Dingen authentisch. Und ja, dazu gehören auch Drogen und Alkohol, Hoch und Tiefs und Fehler die gemacht wurden. Vor allen Dingen sind die vier Jungs aus Frankfurt Menschen, mit allen Ecken und Kanten. Aber gerade das ist es doch auch, was sie in dieser stromlinienförmigen, weichgewaschenen Musiklandschaft so einzigartig und sympathisch macht.

  1. einszweidrei says:

    die kritik an “trashiger” berichterstattung zum thema “autounfall” mag berechtigt gewesen sein, aber umgekehrt ist vollkommen unklar, wie man über dieses thema reden kann, OHNE kritik am täter zu üben.

    wenn ein mensch mit weit überhöhter geschwindigkeit, mit einem “geliehenen” 150,000 euro rennwagen, unter erheblichem drogen- und alkoholeinfluss, zwei andere menschen zum krüppel fährt, und sich dann aus dem staubmacht ohne hilfe zu leisten, dann ist das schon schlimm genug.

    aber bei desem täter kam dann ja auch noch hinzu, dass er noch nicht einmal überhaupt im besitz einer fahrerlaubnis ist, dass er sich hinterher abfällig über die opfer geäußert hat, und sich später bei der gerichtsverhandlung der presse mit herausgestreckter zunge und satansgruß präsentierte.

    jeder versuch, dies nicht “trashig” darzustellen, jeder versuch, dies irgendwie zu erklären und relativieren zu den angeblichen leistungen als künstler zu stellen, ist eine relativierung dessen, was da passiert ist.

    in einem land, in dem inzwischen darüber diskutiert wird, ob man nicht besser türken verbieten sollte zuhause türlischzu reden, oder arbeitslosen das wahlrecht zu entziehen, weil sie arbeitslos sind, wird man ja wohl noch solche armleuchter wie diesen täter öffentlich anprangern dürfen, und zwar auch dann, wenn man SAT 1 ist und es bei der berichterstattung stilistisch und inhaltlich selbst nicht immer so genau nimmt.

    ich möchte mal anregen, den fall mit dem fall von margot käßmann zu vergleichen, die wegen einer ausnahmsweise begangenen ordnugnswidrigekeit von allem ämtern zurückgetreten ist und sich ins privatleben zurückgezogen hat.

    zum thema “pholosophie” darf ich anmerken, dass es wohl eher eine frage von seelischen zustand ist, die hier fans an band binden, das was fans und band miteinander verbindet, ist der für borderline patienten typische emotionale kontrollverlust, bis hin zur rechtfertigung von eigener gewalt bei gleichzeitigem klagen über erfahrene gewalt. dass die band sich unter anderem mit dem thema kindesmißbrauch auseinandersetzt passt da gut ins bild.

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