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Salafisten in Jugendhäusern

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Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel bei den Kollegen der FNP geschrieben, der sich damit beschäftigt hat, dass es mehr als genug Menschen gibt, die eine gewisse Anti-Haltung besitzen, sprich sich in erster Linie dadurch hervortun, dass sie gegen etwas sind. Nach einiger Überlegung habe ich mir gedacht: Vielleicht kann man auch die Salafisten zu dieser Gruppe zählen? Eigentlich zeichnen sich die Kollegen der Ewig-Gestrigen-Fraktion doch dadurch aus, dass sie eine Menge stört in unserer Gesellschaft.

Anstoß der Denkübung war eine Meldung, die ich heute morgen auf der Seite der FAZ gelesen habe, die mir mit dem Titel „Jugendhaus schließt nach Drohung von Salafisten“ sofort ins Auge gefallen ist. Dort heißt es im Teaser: „Junge Salafisten haben eine Mitarbeiterin des Jugendhauses im Frankfurter Stadtteil Gallus beschimpft und bedroht. Folge war die Schließung des Hauses. Andere Jugendhäuser der Stadt klagen auch über solche Vorfälle.“

Brennpunkt Gallus

Was ist passiert, in knappen Worten: Ein paar Halb-Verrückte haben dem Jugendhaus Gallus einen Besuch abgestattet und einer anwesenden Mitarbeiterin vorgeworfen, dass sie nicht „züchtig“ genug angezogen wäre. Der Streit um die vermeintliche Bekleidungsordnung ging dann so weit, dass sich wohl nicht nur die „unzüchtig“ gekleidete Dame, sondern auch die anderen Mitarbeiter bedroht gefühlt haben. Es wurde die Polizei gerufen und am Ende des Tages, das Jugendhaus erstmal vorläufig geschlossen.

Ich bin ja nun schon mehr als zwei Jahrzehnte aus dem Alter heraus, in dem man sich noch in Jugendhäusern herumtreibt aber als jemand der im Gallus aufgewachsen ist, weiß ich noch sehr gut, wie es dort früher war. Ich packe jetzt mal die Früher-war-alles-besser-Keule aus: Wenn zu meiner Zeit ein Grüppchen übereifrige, jugendliche Salafisten in das Jugendhaus Gallus gekommen wären, um dort eine Mitarbeiterin zu beschimpfen, wären diese innerhalb weniger Augenaufschläge – in hohem Bogen – aus dem Laden geflogen. Entweder durch die Anwendung einschlägiger Überredungskünste anderer anwesender Jugendlicher oder die Gallus-Dialektik der Mitarbeiter.

Radikalisierung von Jugendlichen

Da es in diesem Fall wieder einmal das Gallusviertel getroffen hat, kann ich mit Fug und Recht behaupten, dass es dort zwar einen gewissen Nährboden für die Radikalisierung von anfälligen Jugendlichen gibt, bisher aber auch immer die Kiez-Philosophie, der Zusammenhalt der Gemeinschaft groß genug war, um solche Auswüchse im Zaun zu halten. Es ist kein Geheimnis, dass es sich bei dem bevorzugten Ziel um die Jugendlichen handelt, die am leichtesten beeinflussbar sind.

Und es ist auch kein Wunder, dass Dreh- und Angelpunkt des oben geschilderten Vorfalls eine weibliche Mitarbeiterin war. Da es von übertriebenem Mut und einem besonders großen Ehrempfinden zeugt, wenn eine Gruppe salafistisch-verblendeter Jugendlicher auf eine einzelne Frau los gehen, bin ich mir sicher das es auch zu nichts anderem gereicht hätte. Das sind genau die Art von Menschen, die sich – wenn sie alleine sind – den Mund vor lauter Kniegeschlotter und Zähnegeklapper nicht aufbekommen würden.

Fehlende Lösungsansätze

Wie aber kann man mit einem Problem umgehen, dass nach der Aussage Betroffener immer wieder einmal stattfindet, nicht nur um Gallus, sondern auch in anderen Stadtteilen? Sicherlich kann es keine Lösung sein, ein Jugendhaus zu schließen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das Problem von alleine lösen wird, wenn man vierzehn Tage später wieder aufmacht. Verrückterweise kann es aber eigentlich auch nicht im Sinne der Salafisten sein, wenn die Örtlichkeiten schließen, von denen sie sich erhoffen, dort neue „Rekruten“ zu finden. In diesem Fall kann man also sagen, dass das wohl eine wenig überdachte Aktion war, die nicht gerade für besondere Weitsicht zeugt.

Meiner Meinung nach kann eine Lösung nur aus der Gesellschaft selbst erwachsen. Was ich oben ein wenig flapsig beschrieben habe, nämlich dass früher eine derartige Aktion entweder gar nicht erst stattgefunden hätte oder aber sofort Gallus-intern geregelt worden wäre, muss der Ansatz sein. Ich rede nicht von körperlicher Gewalt, sondern davon, dass – auch in besonders gefährdeten Stadtteilen – ein Klima herrscht, dass es entweder extrem schwer macht anfällige Jugendliche für extreme Ideen zu begeistern oder aber schnell und mit einem gesellschaftlichen Konsens reagiert wird, wenn einmal etwas passiert. Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Aus diesem Gedanken heraus kann es nur der schlechtmöglichste Weg sein ein Jugendhaus zu schließen!

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