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Ende einer Legende

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Dem Sudfass geht’s an den Kragen. Schon seit Ende Dezember herrscht in Fankfurts ältestem “FKK-Club” (eine höfliche Umschreibung für “Bordell”) kein Betrieb mehr; jetzt wird abgebaut. Mittlerweile steht eine Absetzmulde auf dem Parkplatz, Kühlschränke und Matratzen liegen daneben. Ein Teil der Parkplatzeinfassung wurde schon abgetragen, auch die Leuchtreklame wurde schon teilweise demontiert — ebenso wie die Skulptur der beiden überlangen Frauenbeine in High-Heels, die früher den Hintereingang markierten und die jeden Autofahrer begrüßten, der über die nahe gelegene Flößerbrücke das Mainufer wechselte.

Das Gewerbe hat sich geändert

Als das Sudfass 1971 eröffnete, suchte es seinesgleichen. Prostitution war zwar nicht verboten, aber auch nicht mehr als geduldet und wurde in den meisten Städten gerne ins Bahnhofsviertel verbannt, in entsprechend runtergenudelten Gebäuden. Dieter Engel, der langjährige Betreiber des Etablissements, kam aus dem kreuzkonservativen Köln nach Frankfurt, um ein Bordell aufzumachen, das Frauen wie Freiern ein besseres Gefühl versprach (soweit das eben im Bereich des käuflichen Sex’ möglich ist). “Ich war der erste, der das Ficken menschlich gestaltet hat”, sagte Engel anlässlich der Schließung des Clubs der “Frankfurter Rundschau”. Er bedaure nichts, aber das Gewerbe habe sich geändert. Deutsche Prostituierte gibt es kaum noch. Die Osteuropäerinnen und Asiatinnen dominieren die Branche.

Großbordelle an der Peripherie

Wo das Sudfass geradezu noch ein lauschiges Plätzchen gewesen sein muss, stehen heute Mega-Bumstempel an fast jedem Autobahnkreuz im Rhein-Main-Gebiet — ideal für den Zwischenstopp auf der Geschäftsreise. Da bekommt der Begriff “schnelles Rein-und-Raus” eine ganz neue Nebenbedeutung. In den Innenstädten will man es dagegen “sauber” haben und gerade das Ostend war seit der Bekanntgabe der EZB-Ansiedlung ein Vorzeigekandidat für die “Gentrifizierung” — Schmuddel raus und Mieten hoch!

Anstelle des Bordellbetriebs sollen hier bald zwei Wohngebäude entstehen: Eines mit 30 Eigentumswohnungen und ein zweites mit 60 möblierten Mini-Apartments — neudeutsch auch “Boarding-Haus” genannt. Gerade die EZB-Verwaltung hatte im Zuge der vorübergehenden Unterbringung ihrer Mitarbeiter wohl bei der Stadt eine solche Lösung angeregt. Die Gestaltung fügt sich, wenn man sich die Entwürfe ansieht, nahtlos in die übrige Bebauung der Oskar-von-Miller-Straße ein: dunkle Klinker, eintönige Fassaden.

Das Sudfass war bestimmt kein leuchtendes Ideal städtischer Bebauung. Aber schöner als bisher wird das neue Gebäude (von außen) her wohl auch nicht, irgendwie alles sehr funktional. Und ob die künftig hier wohnenden EZB-Banker gegenüber der vorherigen Nutzung moralisch wirklich besser abschneiden, da darf jeder gerne selber drüber nachdenken …

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