Einträge: Beiträge | Kommentare

Since Fiction im Pavillon

Keine Kommentare

pavillon-frankfurt

Patrick Raddatz ist im Frankfurter Kunstbetrieb kein ganz Unbekannter. Sein Studium absolvierte er an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und seine künstlerische Heimat liegt im Atelier Frankfurt e.V. Seine neueste Fotoausstellung “Since Fiction” ist derzeit im Saasfee-Pavillon zu sehen, einer ehemaligen Bank-Kantine in der Bleichstraße 64-66, die etwas versteckt hinter dem Hotel Fleming am Eschenheimer Tor zu finden ist.

Kein Pavillon im ursprünglichen Sinne

Der Eingang in den Innenhof erfolgt über eine Feuerwehrzufahrt, vorbei an einem großen Symbol des Elektrokonzerns GE. Dann ist man auch schon fast da. Von der Bezeichnung “Pavillon” darf man sich übrigens nicht in die Irre führen lassen. Ich hatte mit diesem Begriff immer ein barockes Häuschen in einem Park oder aber ein Zelt assoziiert. Derartige Pavillons für Gartenfeste, kann man mittlerweile recht preisgünstig erwerben.

Dank Wikipedia weiß ich jetzt nicht nur, dass Pavillon sich vom italienischen Wort für “Lustzelt” ableitet, sondern dass mitunter auch Kunsthallen und Galerien so bezeichnet werden — ganz unabhängig von ihrer Bauart. So verhält es sich auch beim Saasfee-Pavillon, der architektonisch eher eine Struktur aus verglasten Kuben darstellt. Wie lange das Künstlerprojekt dort noch seine Ausstellungen abhalten kann, ist allerdings fraglich. Über die Nutzung des Gebäudes ist noch nicht endgültig entschieden. Es kann also sein, dass Saasfee bald wieder ausziehen muss — ein Grund mehr, bei der aktuellen Ausstellung vorbeizuschauen.

Reale und dennoch fiktive Räume

Worum geht es nun bei “Since Fiction”? Nun, Raddatz spielt auf seinen Fotos mit Räumen, die zwar real existieren, durch ihre Präsentation aber eine merkwürdige Aura der Unwirklichkeit, der Fiktion, verströmen. Dazu zählen Orte, wie wir sie alle kennen. Ganz häufig sind es solche, die man mit Menschenansammlungen verbindet, die hier aber völlig verlassen gezeigt werden — eine leere Straßenbahn, der verwaiste Handelssaal der Frankfurter Börse oder die ehemalige Betriebskantine des Spiegel-Magazins in Hamburg.

Stets scheint ein dicker, weißer Nebel durch die Bilder zu wabern, was sie noch surrealer erscheinen lässt. Wie mir Raddatz erklärt, ist dieser Nebeleffekt keineswegs durch spätere Retusche oder am Computer entstanden; es wurde jeweils echter Kunstnebel in die Szenerie eingeleitet. Zwei Jahre hat der Künstler gebraucht, um die richtigen Orte auszuwählen, Termine zu finden und die Locations für die Aufnahme zu arrangieren. Von jedem Foto gibt es nur drei Abzüge. Im Frankfurter Kann-Verlag ist auch ein Buch zu dieser Fotoserie erschienen, das demnächst in den Handel kommen soll.

Wernher von Brauns Vermächtnis

Im Untergeschoss des Pavillons geht die Ausstellung von Raddatz weiter unter dem Motto “Since Fiction Extended”. Dazu zählen Fotos von Rauminstallationen, die das Leben des wegen seiner Nazi-Vergangenheit nicht unumstrittenen Raumfahrtpioniers Wernher von Braun thematisieren. Auch hier fehlen Personen auf den Bildern, dafür zeigt Raddatz allerlei Versatzstücke männlicher und militärischer Macht-Symbolik. Eine Videoinstallation mit verfremdeten Szenen aus einem nicht ganz unbekannten Science-Fiction-Film bildet die thematische Klammer zwischen den beiden Ausstellungsteilen.

Die Ausstellung im Saasfee-Pavillon ist noch bis zum 20. Januar zu sehen; auch eine Abschlussveranstaltung soll es geben, deren Termin aber noch nicht feststeht. Der Pavillon ist nur fallweise besetzt, Besucher werden daher gebeten, sich unter der Telefonnummer von Saasfee für eine Führung anzumelden (069/837826 bzw. 069/843268). Mit etwas Glück kommt sogar Patrick Raddatz selber vorbei und erläutert einem seine Werke.

Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This Blog will give regular Commentators DoFollow Status. Implemented from IT Blögg