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Im Interview mit Meezy

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Erst vor kurzem zelebrierte Mr. Marius den Namenswechsel zu Meezy und veröffentlichte sein neues Album „Der König ist tot“. In einem kleinen Café in der Frankfurter Innenstadt reden wir darüber, was Mr. Marius früher war, wer Meezy heute ist und warum die mühsam gebastelten Buchstaben aus „Erlkönig“, in Flammen aufgehen mussten.

Wie war die Releaseparty zu „Der König ist tot“ im Nachtleben?

Es war das erste Mal, dass ich mit so vielen Leuten da war, und es hat sehr viel Spaß gemacht. Es war nicht so wie bei „Erlkönig“, wo ich das Gefühl hatte, es war euphorischer, was aber mit Sicherheit auch was damit zu tun gehabt hat, dass es dieses Mal unter der Woche war. Trotzdem haben wir cool gefeiert und hatten alle viel Spaß.

Was das Euphorische angeht, könnte das aber auch an der Art der Musik liegen. Ich habe „Der König ist tot“ nicht nur melodischer, sondern auch viel nachdenklicher empfunden, als es noch bei „Erlköng“ der Fall war.

Auf Nachdenklicher wäre ich jetzt gar nicht so gekommen. Es sind sicherlich zwei oder drei Songs auf „Der König ist tot“ die nachdenklich sind, vor allem gegen Ende. Melodisch auf jeden Fall, was unter anderem an den gesungenen Hooks und den Produktionen von den Bounce Brothas, Tschabo und S&G Beats liegt, die ja auch allesamt sehr melodisch sind. Aber ich bin auf jeden Fall damit zufrieden.

Das war ja auch keine Kritik, sondern mehr ein erster Eindruck, der sich mir eröffnet hat.

Ich habe jetzt nur darüber nachgedacht ob „Der König ist tot“ wirklich so viel melodischer und vor allem nachdenklicher ist, als es bei „Erlkönig“ der Fall gewesen war, wo ich ja – soweit ich mich erinnern kann – auch sehr viele nachdenkliche Songs drauf gehabt habe. Bei dem Album jetzt sind es aber auch nur zehn Songs, vielleicht wirkt es da geballter.

Trotz der zehn Songs, die meiner Meinung nach vollkommen ausreichend sind, hatte ich das Gefühl, dass es sich bei dem Album jetzt viel mehr um ein Gesamtpaket handelt, als das noch bei „Erlkönig“ der Fall war, wo es doch einige musikalische Brüche gab und durchaus auch in einem Zeitraum von fünf oder sechs Jahren hätte entstanden sein können.

(Lacht) Das ist krass, dass Du das sagst, weil genau das auch der Fall war. „Erlkönig“ ist definitiv über einen längeren Zeitraum entstanden und da es mein erstes Album war, war ich irgendwann betriebsblind und habe völlig aus den Augen verloren, wie es eigentlich bei den Leuten ankommt. Bei „Der König ist tot“ habe ich mich ganz auf die Songs konzentriert und auch nicht mehr versucht, am krassesten von allen zu rappen, wie es noch bei „Erlkönig“ der Fall war.

Vor einigen Tagen ist mir eine Folge von „Cover my Song“ aufgefallen, in der Du gemeinsam mit Little O, der ja auch auf Deinem Album vertreten ist, zu sehen warst.

Little O ist mein kleiner Padawan (lacht) und mittlerweile ein eigenständiger Künstler und wie es so ist mit den Jedis: Irgendwann versuchen sie den Meister zu besiegen. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit dem was er macht. Er wurde dann angefragt für „Cover my Song“ und wir haben gesagt: „Klar, machen wir.“ Er hatte halt bis zu dieser Zeit kaum was draußen, wir hatten aber diesen einen Song für sein Mixtape aufgenommen, der auch der rundeste war. Dafür haben wir dann auch das Video gedreht. Ich war bei den Dreharbeiten dabei, stand aber bei der Fernsehserie nie vor der Kamera, sondern war immer hinter den Kulissen.

Was hältst Du von solchen Formaten? Ist so etwas förderlich für Hip-Hop oder eher nicht?

Für die breite Masse hat es sicher etwas gebracht. Irgendwann war es ja relativ verhasst und es haben sich alle möglichen Leute dazu geäußert, dass es ja nicht real sei und so weiter. Ganz ehrlich, mir ist das ziemlich egal. Ich glaube, ich hätte da jetzt nicht so gut reingepasst, aber für Little O war das perfekt. Ihn kannte keiner und er hat einfach positiv überzeugt, mit seiner Art, so wie er ist. Ich glaube auch nicht, dass er das bereut.

Lass uns noch mal zu Deinem aktuellen Album und Deinem Namenswechsel zurückkommen. Was hat es damit genau auf sich?

Der Namenswechsel zu Meezy hat schon während der Produktion zu „Der König ist tot“ stattgefunden. Die erste Veröffentlichung als Meezy war ja der Song mit Little O „Mach das beste draus“, wo er mich irgendwann angerufen hat und fragte: „Was soll es denn jetzt sein? Mr. Marius oder Meezy?“ Das Lustige war, dass viele Rap-Medien dann trotzdem geschrieben haben „Little O feat Mr. Marius”, was mich zwar auf der einen Seite auch geehrt hat, aber auf der anderen Seite hatte es ja durchaus seinen Sinn gehabt, dass Meezy da stand und nicht Mr. Marius.

Hat sich Mr. Marius nicht mehr gut angefühlt?

Ich konnte es irgendwann nicht mehr hören. Nicht falsch verstehen, ich stehe ja zu meinem Namen und mag den auch, aber Mr. Marius war aus einer ganz anderen Zeit, in der ich noch im Jugendhaus gebreakt habe. Irgendwann bin ich dann da hoch, hab mir das Mic gegriffen und D-Flame imitiert. In der Phase hatte ich überlegt, wie ich mich denn nennen. Während sich alle anderen Namen mit einem MC davor gegeben habe, dachte ich, ich bin besonders innovativ und nenne mich Mr. Marius. Am Anfang war es sogar noch Meister, was sich dann irgendwann zu Mr. gewandelt hat.

Also zeitgleich auch ein musikalischer Wandel.

Mr. Marius war 1999 ganz cool, ist aber einfach nicht mehr zeitgemäß und ich hab den Namen nicht mehr gefühlt. Ich wusste auch, dass es musikalisch in eine andere Richtung gehen wird. Es ist dann auch von diesem Album auch tatsächlich das Intro entstanden, in dem ich ja auch rappe: „Das Mr. Marius wird abgeschafft …“.

Dazu gab es ja auch ein spektakuläres Video, in dem die extra angefertigten Buchstaben zu Erlkönig abgefackelt wurden.

An dieser Stelle noch mal Props an Air Fuss One, der die Buchstaben mühselig “gebastelt” hat. Das war eine Scheiß Arbeit gewesen und Julian Middle, der das Video gemacht hat. Diese Buchstaben waren ja bereits auf dem Cover von „Erlkönig“ zu sehen. Mit dem Cover hatte man damals noch nicht die ganze Arbeit gesehen, die hinter diesen Buchstaben gesteckt hat und im Video kam das dann richtig gut zur Geltung. Die waren echt und verdammt groß: Sieben Meter, wenn man sie nebeneinander gestellt hat.

In dem besagten Videos waren die Bounce Brothas ja auch vor der Kamera vertreten. Wie haben die beiden produktionstechnisch „Der König ist tot“ beeinflusst?

Mit all den neuen Produzenten hat sich natürlich auch ein ganz anderer Soundtteppich ergeben. Man darf aber auch nicht außer Acht lassen, was Tschabo da auf dem Album gemacht hat. Er hat drei Songs produziert und ist einfach extrem guter Musiker. Er gerät leider immer ein bisschen in den Schatten der Bounce Brothas, weil die da so groß drauf sind. Daher möchte ich einfach mal erwähnen, dass auch Tschabo eine krasse Arbeit abgeliefert hat. Alles ohne die Arbeit der Bounce Brothas unter den Teppich kehren zu wollen, die haben auch eine super Arbeit gemacht.

Sind aber nicht allein dafür verantwortlich.

Genau. Darum geht es.

Lass mich noch mal auf den Albumtitel zurückkommen. „Der König ist tot, es lebe der König“ ist ja eigentlich ein französischer Heroldsspruch. Nun hast Du nur den ersten Teil davon entnommen. Da fehlt ja noch was.

Ja, das war schon lustig. Als ich den Titel auf Facebook & Co. veröffentlicht habe, haben auch viele das direkt entsprechend ergänzt. Ich hatte überlegt, wie ich einen Bezug zu der ersten Platte schaffen kann, jetzt wo es ein neuen Namen und ein neues Album gibt. Der Spruch bedeutet ja auch Beständigkeit. Es gibt eine Veränderung, obwohl alles gleich bleibt. Ich hätte als Titel auch „Beständig aber trotzdem neu“ nehmen können, das wäre aber langweilig gewesen. Es gab dann auch direkt in einigen Foren Interpretationen, dass ich damit eigentlich nur Savas dissen möchte.

Das ist aber ein arg weit hergeholter Vergleich. Nur wegen dem King Kool Savas Ding?

Ja, weil er der König ist. Es sei dahingestellt, was sich die Leute dabei gedacht haben. Was die Titelwahl angeht also eigentlich recht simpel. Es sollte einfach ein bisschen die Aufbruchsstimmung erzeugt werden und ich stehe ja auch ein wenig auf diesen Pathos.

Der ja auch, gerade unter Frankfurter Musikern, sehr verbreitet ist.

Ja. Das wurde ja nach einer Zeit von allen möglichen Rapmedien zerrissen, aber ich finde das cool. Es ist natürlich nur peinlich, wenn der Plan dann nicht aufgeht. Wenn Du erst rum machst mit „Ich hole mir die Krone und so weiter“ und ich dann nach zwei Jahren immer noch da stehe und keine CDs verkauft habe (lacht). Wenn man aber zum Beispiel Vega sieht, der hat das ja erreicht und da passt es auch wieder.

Zum Thema Frankfurter Musiker: Wie lange möchtest Du dir wieder Zeit lassen bis zum nächsten Release?

Ja, als wir uns das letzte Mal zu „Erlkönig“ getroffen haben, habe ich gesagt es dauert ein Jahr bis zum nächsten Release. Der Plan ist nicht ganz aufgegangen und im Endeffekt waren es, bis es dann endlich rausgekommen ist, zwei Jahre. Ich möchte das Ganze auf jeden Fall beständig machen, aber ich traue mich gar nicht da irgendwelche Ansagen zu machen (lacht).

Fotos: Nils Galow

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