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Wenn Mieter ihren Hut nehmen (müssen)

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Prognosen zufolge knackt Frankfurt noch dieses Jahr die 700.000-Einwohnermarke. Im gleichen Maße, wie die Mainmetropole wächst, steigen auch die Umstrukturierungsprozesse in zahlreichen Stadtteilen, in denen systematisch einkommensschwächere Einwohner verdrängt werden. Im besonderen Maße ist das West- und das Nordend von der Gentrifizierung betroffen. 40 Euro pro Quadratmeter sind längst keine Seltenheit mehr und betroffen sind nicht nur Neubezüge, auch alteingesessene Mieter bekommen unangenehme Schreiben in denen hanebüchene Mieterhöhungen durchgesetzt werden sollen.

Erhöhungen von mehr als 30 Prozent werden auf nicht weiter beschriebene Posten geschoben, wie beispielsweise Modernisierungsarbeiten und in anderen Stadtteilen, wie zum Beispiel dem Gallus werden neue Häuser in der Friedrich-Ebert-Siedlung errichtet, deren Mieten zum Teil 20 und mehr Prozent über dem Stadtteilüblichen Durchschnitt liegen. Die Nähe zu dem neu errichteten Europaviertel ist dabei höchst wahrscheinlich kein Zufall und kann als gezielte Maßnahme gewertet werden, um Stück für Stück die Mieterschicht zu verändern.

Im Westend geben sich aber längst nicht alle Einwohner geschlagen und nehmen ihre Rechte als Mieter wahr. Mieterschutzbund, Aktionsgemeinschaften und Experten sind sich zu weiten Teilen einig, dass längst nicht alle Kosten auf die Mieter umgeschlagen werden können. Jürgen Lutz vom Verein „Mieter helfen Mietern“ äußerte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau dahin gehend, dass derartige Schreiben die Mieter nur einschüchtern sollen, um so Platz für wohlhabendere Bewohner zu machen.

Ganz neu ist dieses Verfahren nicht. Bereits in den 1960er Jahren schickte sich in London die neue Mittelklasse (Gentry, daher auch der Begriff Gentrifizierung) an, die bisher etablierte Arbeiterklasse zu verdrängen. Und auch in Deutschland wurde erstmal Mitte der 1970er Jahre in Berlin Kreuzberg ähnliche Kämpfe ausgefochten.

Einige Lichtblicke sind aber auch in der Finanzmetropole Frankfurt zu erkennen. So zum Beispiel die Entscheidung die Nassauische Heimstätte, neben der ABG einer der größten Wohnungsgesellschaften in Frankfurt (und Hessen), nicht zu verkaufen. Durch die Eigentumsstruktur – die Nassauische Heimstätte gehört zu großen Teilen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt – können auch weiterhin niedrige Mieten gehalten werden.

Foto: Flickr / maha-online

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