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Marcel Reich-Ranicki ist vom Günter Grass Gedicht angeekelt

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Nach einer Anfrage der Frankfurter Rundschau am Donnerstag, sagte Deutschlands bekanntester Literaturkritiker noch „Ich werde mich über Grass nicht äußern“. In der Sonntagsausgabe der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat er sich dann doch zu einem Statement hinreißen lassen und zu was für einem. Es ist nicht bei einem kurzen und knackigen Satz geblieben und man weiß, dass Ranicki auch mit wenigen Worten literarische Schneisen schlagen kann. Es ist gleich ein doppelseitiges Interview geworden, in dem Ranicki über „Was gesagt werden muss“, Günter Grass und dessen Wirkung auf die deutsche Literaturszene philosophiert.

Man kann sich lebhaft vorstellen, wie Marcel Reich-Ranicki dieser Tage in seinem Haus im Frankfurter Dornbusch sitzt und sich noch immer über das jüngste Grass Gedicht aufregt. Oft scheint der Literaturkritiker recht gelassen zu sein aber in „Was gesagt werden muss“ sind gleiche mehrere Komponenten vereint, die ihn – so vermute ich – aus der Haut fahren lassen können. Zum einen geht es um Lyrik, nach seiner Meinung zudem noch schlechte, dann ist Günter Grass involviert und zu guter Letzt spielt auch Israel mit ein.

Das Ranicki zunächst kein Statement abgeben wollte, ist nicht weiter verwunderlich. Vermutlich wollte er sich in erster Linie selbst klar werden, um was es Grass eigentlich geht und was er dort „verbrochen“ hat. Dann ist hinlänglich bekannt, das Ranicki bereits seit Jahrzehnten für das Feuilleton der FAZ tätig ist. Warum also Pulver verschießen und der vermeintlichen Konkurrenz Inhalt zuspielen, der „zuhause“ besser aufgehoben ist. Was Marcel Reich-Ranicki dann in dem Interview sagt, ist nicht besonders überraschend. Es war klar das er von dem jüngsten Auswuchs Grass‘ nicht sonderlich angetan sein würde. Was dann aber doch ein wenig verwundert, ist die Intensität mit der Ranicki seine Worte wählt und die Art und Weise, wie er verbal auf Grass einprügelt.

Ranicki äußert in dem Interview, dass ihn das Gedicht literarisch nicht im Geringsten interessiert hat und auf die Frage, was Grass denn damit bezwecke, antwortet er: „Grass war immer schon an Sensationen, an Affären, an Skandalen interessiert […] Mit seinen Gedichten hat er wenig erreicht, Romane hat er nur einen wirklich sensationellen geschrieben, die ‘Blechtrommel’. Mit seinem literarischen Werk hat er erreicht, was er erreichen konnte, mehr hat er nicht zu bieten.“ Kurzum trifft der Titel des Interviews die Ansichten von Ranicki recht gut: „Es ist ein ekelhaftes Gedicht.“

Auf der anderen Seite spricht Marcel Reich-Ranicki aber auch von dem durchaus großen Einfluss, denn Grass auf die deutsche Literaturlandschaft gehabt hat, das er in dessen letzten Gedichtband „Letzte Tänze“ durchaus ein paar gute Gedichte gefunden hat und das Grass in der Epoche, in der Ranicki als Kritiker aktiv war und ist, der wichtigste Protagonist gewesen ist. Es gibt immer wieder auch positive Dinge, die Ranicki über Grass sagt aber die Stimmung wird trotzdem sehr klar: „Was gesagt werden muss“ ist inhaltlich und literarisch eine Farce.

Das komplette Interview ist der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ vom 8. April zu finden oder online auch HIER. „Was gesagt werden muss“, das Gedicht von Günter Grass, ist im kompletten Wortlaut in der Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ einzusehen.


  1. Über ein triviales “Gedicht” (Inhalt längst bekannt), das bestenfalls geeignet ist, von der eigentlichen Kriegsursache abzulenken, diskutiert die ganze Welt.

    Doch ein wissenschaftlich einwandfreier Artikel, der den Kern des Problems anspricht, wird vom “Normalbürger” gar nicht erst zur Kenntnis genommen:

    http://www.deweles.de/files/krieg.pdf

    Wer die tiefere Ursache – nicht nur – für dieses irrationale Verhalten verstehen will, muss tatsächlich bei Adam und Eva anfangen:

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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